Mit einem Festakt feierte die Neuapostolischen Kirche in Denzlingen ihr 100-jähriges Jubiläum.
Der stellvertretende Bezirksvorsteher Andreas Scherwath bezeichnete das 100-jährige Jubiläum in seiner Auftaktrede auch als Geburtstagsfeier und bemerkte mit einem Augenzwinkern, dass wohl keine Gründungsmitglieder anwesend seien. Zu den Gratulanten zählten unter anderem der evangelische Pfarrer Thomas Herrmann, die Vorsitzende des Ältestenkreises Kathrin Osteneck sowie der katholische Geistliche Will Stalder.
Evangelist Scherwath ging der Frage nach, was die Gründungsmitglieder 1926 zur Bildung einer Gemeinde bewogen hatte: Sie wollten im Glauben und in der Nächstenliebe nicht allein sein – weder beim Feiern des heiligen Abendmahls noch im Gebet. Diese Sehnsucht nach Gemeinschaft erinnert an die Gläubigen der ersten Gemeinden, von denen es in Apostelgeschichte 2,42 heißt: „Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet“.
Dank dieser Beständigkeit dürfen wir heute den 100. Geburtstag feiern
Thomas Herrmann und Kathrin Osteneck überbrachten ihre Glückwünsche, indem sie eine Neufassung des 150. Psalms als Loblied auf Gott vortrugen.
Zudem hoben sie die sehr gute ökumenische Zusammenarbeit hervor, die sich in zahlreichen gemeinsamen Aktivitäten zeigt, etwa in der jährlichen Pfingstandacht auf St. Severin, dem lebendigen Adventskalender und der regelmäßig stattfindenden „Nacht der offenen Kirchen“.
Der Vertreter der katholischen Kirche, Will Stalder, erzählte die bekannte Geschichte vom Funkverkehr zwischen einem Kriegsschiff und einem Leuchtturm und stellte einen Bezug zu den Veränderungen der vergangenen 100 Jahre her. Heute kennt man auch „andere“ Schiffe im Meer Gottes, und dank der Ökumene arbeiten wir gemeinsam daran, dass das Reich Gottes wächst. Als Geburtstagsgeschenk überreichte Stalder eine eigens für die Neuapostolische Kirche Denzlingen angefertigte Kerze. Sie zeigt neben einem Schiff, das – wie im neuapostolischen Symbol – von Sonnenstrahlen überstrahlt wird, die Jahreszahlen 1926 und 2026.
Gemeindevorsteher Christian Sigwarth berichtete, wie er nach einer Überschrift für seine Geburtstagsrede suchte und dabei auf die Worte „Wurzeln, Wege, wohlwollende Nachbarn“ kam.
Die Wurzeln liegen in einem schlichten Raum, in dem sich damals einige Gläubige versammelten.
Die Wege führten durch Höhen und Tiefen. Sigwarth erinnerte an den Zweiten Weltkrieg und die Entbehrungen der Nachkriegszeit, aber auch an das Jahr 1974, als Deutschland Fußballweltmeister wurde und breite Schlaghosen Mode waren. Heute gibt es Apps für fast alles, und dennoch geht das Gefühl von Nähe manchmal verloren. Wir leben im Überfluss – knapp ist oft vor allem die Zeit.
Aus dem schlichten Raum von damals ist inzwischen eine moderne, barrierefreie Kirche geworden.
Mit den „wohlwollenden Nachbarn“ meinte er die katholischen und evangelischen Geschwister, denen die gelebte Ökumene eine Herzensangelegenheit ist, sowie die enge Verbundenheit zur politischen Gemeinde Denzlingen.
Zwischen den Reden verlasen zwei Mitglieder der Gemeinde die Chroniken der Gemeinden Denzlingen und Waldkirch. Die früher eigenständige Gemeinde Waldkirch ist seit 2017 teil der Gemeinde Denzlingen
Hier können SIe die Chronik online Ansehen
Der Festakt wurde musikalisch umrahmt von Darbietungen des gemischten Chores und einer Klavierspielerin.